Der BONK-Millionencoup: Wie ein Angreifer eine Krypto-DAO ganz offiziell ausräumte

Kein klassischer Hack, kein gestohlener Private Key und trotzdem waren ~20 Millionen Dollar weg

Tom

7/20/202610 min read

Normalerweise läuft ein Krypto-Hack ungefähr so ab: Ein Angreifer entdeckt einen Programmierfehler, manipuliert einen Smart Contract und zieht anschließend die darin verwahrten Token ab.

Bei BONK war es jetzt kürzlich anders.

Der BONK-Token selbst wurde nicht gehackt. Es wurde auch keine Sicherheitslücke ausgenutzt, durch die der Angreifer fremde Wallets leeren konnte. Stattdessen kaufte sich jemand genügend BONK-Token, um über einen Governance-Antrag abzustimmen und liess sich anschließend einen großen Teil der BonkDAO-Treasury auf die eigene Wallet überweisen.

Der Angreifer brach also nicht in den Tresor ein. Er kaufte sich genügend Stimmzettel, stellte den Antrag, ihm den Inhalt des Tresors zu geben, stimmte selbst dafür und das System öffnete anschließend automatisch die Tür.

Insgesamt wurden auf diesem Weg rund 4,426 Billionen BONK aus der Community-Treasury übertragen. Zum damaligen Zeitpunkt hatten diese Token einen Wert von ungefähr 20 Millionen US-Dollar. Das zeigt ziemlich radikal, wie gefährlich eine schlecht konstruierte Krypto-Governance sein kann.Wir sortieren das mal alles.


Was ist BONK?

BONK ist einer der bekanntesten Memecoins im Solana-Ökosystem. Und ein Memecoin ist kurz gesagt eine Kryptowährung, deren Bekanntheit und Wert stark durch Internetkultur, Community, Aufmerksamkeit und Spekulation geprägt werden. Der Wert entsteht hauptsächlich dadurch, dass Menschen den Token kaufen, „verwenden“ und weiterempfehlen.


BONK wurde Ende 2022 gestartet und entwickelte sich schnell zu einem der größten Solana-Memecoins. Rund um den Token entstand ein umfangreiches Ökosystem mit Anwendungen, Handelsplattformen, Community-Projekten und einer dezentralen Organisation, der sogenannten BonkDAO.

Und da auch nochmal fürs Verständnis: was ist eine DAO?


DAO steht für „Decentralized Autonomous Organization“, also eine dezentrale autonome Organisation.

Die Grundidee klingt gut: Entscheidungen sollen nicht ausschließlich von einem Unternehmen, einem Vorstand oder einer einzelnen Person getroffen werden. Stattdessen stimmt die Community über wichtige Fragen ab.

DAO-Mitglieder können beispielsweise darüber entscheiden,


- wie Community-Gelder eingesetzt werden,

- welche Projekte finanziert werden,

- welche Regeln geändert werden,

- oder welche Personen bestimmte Aufgaben übernehmen.


Das Stimmrecht richtet sich bei vielen DAOs nach der Anzahl der gehaltenen Token. Wer mehr Token besitzt, hat mehr Stimmen. Das ist vergleichbar mit einer Aktiengesellschaft, bei der ein Großaktionär mehr Einfluss hat als jemand, der nur eine einzelne Aktie besitzt. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass DAO-Abstimmungen häufig direkt mit Smart Contracts verbunden sind. Wird ein Antrag angenommen, kann die darin enthaltene Aktion automatisch ausgeführt werden. Genau das wurde der BonkDAO zum Verhängnis.


Schauen wir also auf die Community-Treasury, praktisch den gemeinsamen Geldtopf:

Viele Krypto-Projekte besitzen eine solche sogenannte Treasury. Dabei handelt es sich um eine oder mehrere Wallets, in denen Token und andere Vermögenswerte der Community verwahrt werden. Das Geld kann beispielsweise für Marketing, technische Entwicklung, Liquidität, Partnerschaften oder Förderprogramme verwendet werden. Die BonkDAO kontrollierte eine Treasury mit mehreren Billionen BONK.


Über diese Token konnte grundsätzlich durch Governance-Abstimmungen entschieden werden. Die Sicherheitsidee dahinter war, dass eine einzelne Person nicht einfach auf die Treasury zugreifen kann. Erst wenn genügend Mitglieder einem Vorschlag zustimmen, darf das Geld bewegt werden. Klingt in der Theorie logisch und sicher. In der Praxis war aber die entscheidende Frage nicht, ob eine einzelne Person die Treasury technisch kontrollieren konnte. Es stellte sich eher die Frage, wie teuer es ist, genügend Stimmen zu kaufen, um die Kontrolle über die Treasury zu übernehmen und die Antwort war offenbar: deutlich weniger, als sich in der Treasury befand.

Der Antrag BIP #76


Ende Juni 2026 wurde auf der Solana-Governance-Plattform Realms ein neuer Antrag eingereicht:

„BIP #76 – Sowellian BonkDAO“


Der Antrag war umfangreich formuliert und stellte Veränderungen an der BonkDAO-Governance in Aussicht. Unter anderem ging es um eine neue Struktur, neue Ratsmitglieder und eine angebliche Monetarisierung der vorhandenen Vermögenswerte. Außerdem wurden Belohnungen für Personen in Aussicht gestellt, die für den Antrag stimmen würden. Das wirkte auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher, aber legitimer Reformvorschlag.

Der wirklich entscheidende Bestandteil befand sich jedoch in der ausführbaren Anweisung des Governance-Antrags. Diese Anweisung sah vor, 4.426.104.450.305 BONK aus der BonkDAO-Treasury an eine Wallet zu übertragen, die vom Antragsteller kontrolliert wurde. Wer jetzt also den Text und die dazugehörige Transaktion vollständig überprüfte, konnte grundsätzlich erkennen, dass mit dem Antrag ein großer Teil der Treasury an den Antragsteller ausgezahlt werden sollte.


Die Transaktion war nicht in einem geheimen Schadcode versteckt. Sie war Teil des offiziellen Governance-Proposals. Offenbar schaute jedoch kaum jemand genau hin.

Wie „der Angreifer“ die Abstimmung kontrollierte


Um den Antrag durchzubringen, benötigte der Angreifer Stimmrechte. Bei der BonkDAO ergab sich die Stimmkraft aus den gehaltenen BONK-Token. Wer viele BONK besaß, konnte entsprechend viele Stimmen abgeben. Der Angreifer beschaffte sich deshalb etwa 882 Milliarden BONK. Nach damaligen Kursen kostete diese Position ungefähr 4,4 Millionen US-Dollar.

Teile dieser Token sollen über zentrale Börsen wie Binance und Bybit erworben worden sein. Onchain-Analysen deuten außerdem darauf hin, dass möglicherweise geliehenes Kapital oder DeFi-Kredite verwendet wurden. Mit diesen Token verfügte der Angreifer über genügend Stimmkraft, um die Mindestanforderungen der Abstimmung zu erfüllen. Das ist bei tokenbasierter Governance grundsätzlich normal. Das Problem war das Verhältnis zwischen den Kosten der Übernahme und dem Wert der Treasury.

Für rund 4,4 Millionen Dollar konnte der Angreifer genügend Stimmen kaufen, um damit über Vermögenswerte von rund 20 Millionen Dollar zu entscheiden. Die Kontrolle über die Treasury war damit erheblich günstiger als der Inhalt der Treasury selbst. Ökonomisch war das System angreifbar, auch wenn der Smart Contract technisch einwandfrei funktionierte.

Eine Abstimmung mit praktisch nur einem Teilnehmer

Am 6. Juli 2026 endete die Abstimmung. Für den Antrag wurden ungefähr 882,38 Milliarden BONK eingesetzt. Dagegen stimmten rund 710 Millionen BONK. Die größte beteiligte Wallet stellte etwa 99,87 Prozent der Ja-Stimmen. Damit entfiel nahezu die gesamte Zustimmung auf die Wallets des Angreifers.


Obwohl die BonkDAO Tausende mögliche Teilnehmer hatte, beteiligte sich nur eine winzige Zahl von Wallets an der Abstimmung. Der größte Teil der Community bemerkte den Antrag offenbar entweder nicht, ignorierte ihn oder verstand seine tatsächlichen Folgen nicht.

Damit entstand eine absurde Situation:


Auf dem Papier hatte die Community abgestimmt. In der Realität hatte sich eine einzelne Partei genügend Token beschafft, um den Ausgang fast vollständig allein zu bestimmen. Das ist dann keine demokratische Mehrheitsentscheidung im üblichen Sinne, sondern eher eine feindliche Übernahme durch gekaufte Stimmrechte.

Der schlimmste Konstruktionsfehler: Kein Timelock


Nachdem der Antrag angenommen worden war, wurde die darin enthaltene Überweisung praktisch sofort ausgeführt.bEs gab also keinen nennenswerten Timelock.

Ein Timelock ist eine vorgeschriebene Wartezeit zwischen der Annahme eines Governance-Antrags und seiner tatsächlichen Ausführung. Ein gut konstruierter Timelock könnte beispielsweise 24, 48 oder 72 Stunden betragen. Während dieser Zeit könnten Entwickler, “Sicherheitsforscher”, Börsen und Community-Mitglieder prüfen, ob eine angenommene Entscheidung offensichtlich schädlich ist. Im Notfall könnten Token verschoben, Transaktionen pausiert oder Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.

Bei der BonkDAO betrug die Verzögerung jedoch offenbar null Sekunden. Sobald die Abstimmung erfolgreich beendet war, konnte die Überweisung ausgeführt werden. Es gab keine letzte Kontrollstufe. Keinen Sicherheitsrat. Keinen menschlichen Multisig-Signer. Kein begrenztes Notfall-Veto. Keine Zeit, um zu reagieren.


Die Governance lieferte dem Angreifer nicht nur die Zustimmung, sondern direkt auch den Schlüssel zum Tresor.

Wie hoch war der tatsächliche Gewinn?

Der Angreifer investierte rund 4,4 Millionen Dollar in BONK und erhielt anschließend rund 20 Millionen Dollar aus der Treasury. Damit hätte er ungefähr 15,6 Millionen Dollar verdient. Ganz so einfach ist die Rechnung jedoch nicht.


Die für die Abstimmung gekauften BONK waren nach der Abstimmung nicht automatisch verloren. Der Angreifer konnte sie wieder verkaufen. Sein Einsatz von 4,4 Millionen Dollar war daher kein klassischer Kaufpreis, der vollständig verschwunden war. Die Token dienten vorübergehend als Stimmrechte und konnten danach wieder auf den Markt gebracht werden.

Die tatsächlichen Kosten bestanden aber vor allem aus möglichen Kursverlusten, Handelsgebühren, Slippage bei großen Verkäufen, Kredit- oder Finanzierungskosten und dem Risiko, dass Börsen oder Behörden die Gelder einfrieren. Kurz nach der Abstimmung begann „der Angreifer“ offenbar damit, Teile seiner zuvor gekauften BONK wieder zu verkaufen.

Zusätzlich wurden auch Teile der entnommenen Treasury-Token bewegt und verkauft. Ein großer Anteil soll zeitweise in einer neu eingerichteten Multisig-Struktur mit der Bezeichnung „BONK 2.0“ gelandet sein. Der genaue realisierte Gewinn lässt sich deshalb nur schwer bestimmen.


Fest steht aber: Der wirtschaftliche Nutzen für den Angreifer dürfte deutlich höher gewesen sein als die einfache Differenz zwischen 20 Millionen Dollar Beute und 4,4 Millionen Dollar Einsatz vermuten lässt.

Wurde BONK also gehackt?

Nein.


Der Smart Contract des BONK-Tokens wurde nach bisherigen Erkenntnissen nicht kompromittiert. Der Angreifer konnte auch keine beliebige Anzahl neuer BONK erzeugen. Er konnte auch nicht auf die Wallets normaler Nutzer zugreifen. Betroffen war nur die Treasury der BonkDAO. Für gewöhnliche BONK-Halter bedeutet das, dass ihre persönlichen Token durch diesen Vorfall nicht direkt gestohlen wurden.

Trotzdem kann ein solcher Angriff erhebliche Folgen für alle Halter haben. Wenn der Angreifer große Mengen BONK verkauft, entsteht zusätzlicher Verkaufsdruck. Gleichzeitig verliert die DAO einen bedeutenden Teil ihrer finanziellen Reserven. Das kann und wird vermutlich zukünftige Projekte, Förderungen und Entwicklungen beeinträchtigen.

Darüber hinaus wird das Vertrauen in das gesamte Governance-System beschädigt. Ein Token muss nicht technisch gehackt werden, damit Anleger wirtschaftlich Schaden nehmen.


War es dann überhaupt ein „Exploit“?

Im Kryptobereich wird so ein Vorgang häufig als Governance-Exploit bezeichnet. Technisch gesehen tat das System jedoch genau das, wofür es programmiert worden war. Der Angreifer besaß genügend Stimmrechte, reichte einen gültigen Antrag ein und der erreichte das notwendige Quorum. Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen war dafür. Anschließend führte der Smart Contract die genehmigte Transaktion aus. Es gab also möglicherweise keinen klassischen Softwarefehler. Die Schwachstelle lag in den Regeln selbst. Quasi ein Designfehler.

Man könnte von einem wirtschaftlichen oder organisatorischen Exploit sprechen: Der Angreifer erkannte, dass die Governance so schlecht konfiguriert war, dass sich eine Übernahme finanziell lohnte. Er nutzte keinen Fehler im Code aus, sondern einen Fehler im Systemdesign.


War die Aktion also legal?

Gelegentlich wird behauptet, der Angreifer habe die Treasury „legal“ geleert, da alle Governance-Regeln eingehalten worden seien. Diese Aussage ist aber bestenfalls zweifelhaft. Eine technisch gültige Transaktion ist nicht automatisch rechtmäßig. Auch außerhalb der Kryptowelt kann ein Vertrag, eine Abstimmung oder eine Überweisung technisch korrekt verarbeitet werden und trotzdem auf Betrug, Täuschung oder unrechtmäßiger Bereicherung beruhen.


Entscheidend wäre unter anderem, ob der Antrag irreführend formuliert war, ob Belohnungen versprochen wurden, die nie ausgezahlt werden sollten, ob der Angreifer seine Kontrolle absichtlich verschleierte und welche Gesetze in der zuständigen Rechtsordnung gelten. Welche konkreten Straftatbestände anwendbar sind, müssten Ermittlungsbehörden und Gerichte klären. Der Satz „Code is Law“ ist jedenfalls kein universeller Freifahrtschein. Blockchain-Code ersetzt nicht automatisch staatliches Recht.

Weiß man, wer hinter dem Angriff steckt?

Bislang ist der Angreifer öffentlich nicht zweifelsfrei identifiziert. Onchain-Analysten haben verschiedene Wallets untersucht und Verbindungen zu zentralen Börsen, früheren Transaktionen und bekannten Akteuren im Solana-Umfeld festgestellt. Dabei wurden auch mögliche Überschneidungen mit Wallets diskutiert, die zuvor mit Personen aus dem „Realms“-Umfeld oder anderen Solana-Projekten in Verbindung standen. Solche Onchain-Verbindungen sind jedoch kein eindeutiger Beweis.

Wallets können verkauft, gemeinsam genutzt oder über Börsen finanziert worden sein. Auch gemeinsame Einzahlungsadressen bei zentralen Handelsplattformen reichen nicht aus, um zweifelsfrei eine bestimmte Person zu beschuldigen.


Solange keine belastbaren Ermittlungsresultate, Anklagen oder Geständnisse vorliegen, sollte deshalb nicht behauptet werden, eine bestimmte bekannte Person stecke hinter dem Angriff.

Interessant ist allerdings, dass der Angreifer offenbar mehrere zentrale Börsen genutzt hat. Solche Plattformen verlangen normalerweise eine Identitätsprüfung. Wenn die entsprechenden Konten nicht mit gestohlenen oder gefälschten Daten eröffnet wurden, könnten dort Informationen über den Nutzer vorhanden sein. Das erhöht zumindest theoretisch die Chance, den Verantwortlichen zu identifizieren.


Was sagt das BONK-Team?

Das BONK-Team bestätigte den Vorgang als bösartigen Governance-Antrag. Nach eigenen Angaben arbeitete man mit Börsen, Blockchain-Unternehmen, der Solana Foundation und Strafverfolgungsbehörden zusammen. Das Team betonte außerdem, dass der BONK-Token selbst nicht kompromittiert worden sei und keine Token aus normalen Nutzer-Wallets gestohlen wurden. Diese Aussage ist technisch wichtig, löst aber leider das grundlegende Problem nicht. Eine DAO, die Millionenwerte verwaltet, konnte durch eine einzelne ausreichend kapitalisierte Partei übernommen werden.

Der Schaden betrifft daher nicht nur die verschwundenen Token. Er betrifft die Glaubwürdigkeit der gesamten Governance. Der Angreifer trägt die Verantwortung für die bösartige Aktion. Trotzdem muss man deutlich sagen: Die BonkDAO hat ihm den Angriff außergewöhnlich einfach gemacht.


1. Die Übernahme war zu billig
Wenn eine Treasury 20 Millionen Dollar enthält, die für Abstimmungen notwendige Stimmkraft aber für 4,4 Millionen Dollar gekauft werden kann, besteht ein grundlegendes Sicherheitsproblem. Die Kosten eines Angriffs müssen deutlich höher sein als der mögliche Gewinn.

2. Es gab keinen Timelock

Eine sofortige Ausführung lässt praktisch keine Zeit für Sicherheitsmaßnahmen. Große Treasury-Transfers sollten grundsätzlich erst nach einer längeren Wartezeit ausgeführt werden.


3. Große und kleine Anträge wurden offenbar nicht ausreichend unterschieden
Ein Antrag über wenige Tausend Dollar ist etwas anderes als ein Antrag, der einen erheblichen Teil der gesamten Treasury bewegt. Für besonders große Transfers sollten deutlich strengere Regeln gelten.

4. Die Community war praktisch nicht aktiv
Eine DAO kann nur funktionieren, wenn Mitglieder Anträge tatsächlich lesen, prüfen und verstehen. Eine Governance mit Tausenden theoretischen Mitgliedern ist nutzlos, wenn am Ende nur wenige Wallets abstimmen.

5. Frisch gekaufte Token konnten sofort als Stimmrecht eingesetzt werden

Sicherere Systeme verlangen möglicherweise, dass Token bereits vor der Einreichung eines Antrags gehalten oder für einen längeren Zeitraum gesperrt wurden. Dadurch wird es schwieriger, kurzfristig Milliarden Token zu kaufen, eine Abstimmung zu übernehmen und sie direkt danach wieder zu verkaufen.


6. Es fehlte eine Notfallkontrolle
Dezentralisierung bedeutet nicht, dass jede Form menschlicher Sicherheitskontrolle verboten sein muss. Ein klar begrenzter Sicherheitsrat könnte beispielsweise ausschließlich offensichtlich schädliche Transaktionen verzögern, ohne normale Governance-Entscheidungen dauerhaft zu blockieren.

Die eigentliche Lehre aus dem BONK-Fall

Der Fall zeigt, dass eine Blockchain nicht automatisch ein sicheres System erzeugt. Smart Contracts können fehlerfrei funktionieren und trotzdem katastrophale Ergebnisse liefern. Ein Governance-System kann technisch korrekt sein und trotzdem so schlecht konstruiert werden, dass der günstigste und logischste Schritt für einen Angreifer darin besteht, es einfach zu kaufen.

Dezentralisierung schützt nicht automatisch vor Machtkonzentration. Tokenbasierte Abstimmungen können sogar dazu führen, dass letztlich nicht die größte Community entscheidet, sondern der Akteur mit dem meisten kurzfristig verfügbaren Kapital.

Fazit

Der BONK-Vorfall war kein gewöhnlicher Hackerangriff. Niemand musste einen hochkomplexen Programmierfehler finden. Niemand musste den Private Key der Treasury stehlen. Der Angreifer nutzte die offiziellen Governance-Regeln. Er kaufte genügend BONK, stellte einen Antrag auf Übertragung der Treasury, stimmte mit seinen eigenen Token dafür und ließ den Smart Contract die Auszahlung automatisch durchführen. Rund 4,426 Billionen BONK im damaligen Wert von ungefähr 20 Millionen Dollar wechselten dadurch den Besitzer.

Der Code funktionierte. Die Governance versagte.


Genau das macht diesen Fall so bemerkenswert: Der Angreifer musste das System nicht brechen. Er musste es nur benutzen.

Keine Anlageberatung. Inhalte dienen der Information, Einordnung und Unterhaltung.